• Sabine Puvogel

Mama ich will ein Haustier (Teil 2)


Von der Theorie zur Praxis


Seit dem das Meerschweinchenbuch bei uns eingezogen ist, ist über ein halbes Jahr vergangen und unser Projekt hatte einige Höhen und Tiefen. Angefangen hat es mit meiner eigenen Ungeduld.


Wir hatten angefangen Pläne zu machen und die möchte man dann ja auch abschließen und wieder „aus dem Kopf“ kriegen. Aber meine Tochter kam nur sehr schleppend mit dem Lesen voran.


Ich musste mich selbst sehr ausbremsen, um keinen Druck aufzubauen. Sie sollte sich aus eigenem Antrieb mit dem Thema beschäftigen und nicht, weil sie glaubt, dass ich das von ihr möchte oder erwarte. Also habe ich mich erstmal wieder anderen Projekten gewidmet und das Buch geriet in völlige Vergessenheit.


Nur wenn ich sie fragte, ob wir zusammenlesen wollen (als Mutter muss ich ja auch über die Bedürfnisse der kleinen Mitbewohner bescheid wissen) dann war sie wieder mit Feuereifer dabei. Mich beschlich das Gefühl, dass es hier primär nicht um die Meerschweinchen ging, sondern darum Zeit mit Mama - ohne die kleine Schwester - zu verbringen. Und wenn man einmal über den Alltag nachdenkt, ist das auch kein Wunder. Neben Haushalt, Verein und den alltäglichen Herausforderungen bleibt wenig Zeit, die man mit einem Kind allein verbringen kann. Wahrscheinlich wäre es einfacher, wenn ich besser strukturiert und organisiert wäre, aber niemand ist vollkommen!


Ich habe es also als Ausdruck eines Bedürfnisses - mehr Zeit miteinander zu verbringen - aufgefasst und die Vorbereitungen für den Einzug des Haustieres als Quality-Time mit ihr gestalten. Wir planen mittlerweile feste Zeiten ein, in denen wir uns gemeinsam mit dem Thema beschäftigen. Anfangs dachte ich, dass es für mich mehr stress bedeutet, aber tatsächlich ist es eine schöne Auszeit und ich genieße es genauso wie meine Tochter.


Aber ist es eigentlich ein KO-Kriterium für die Schweinchen, wenn es primär nicht um die Tiere geht?

Ich denke nicht, denn im ersten Teil dieser Serie hatte ich bereits geschrieben, dass die Verantwortung für ein Lebewesen unter meinem Dach immer bei mir liegen wird.


Außerdem können Kinder das Ausmaß ihrer Entscheidungen noch nicht abschätzen, weil sie nicht wissen, was damit alles zusammenhängt. Würde man das Projekt an dieser Stelle bereits beenden, dann hätte das Kind auch keine Möglichkeit etwas über die Zusammenhänge zu lernen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Und geht es uns nicht auch manchmal so, dass aus einer anfänglichen Neugierde ein ernsthaftes Interesse und erst viel später ein leidenschaftliches Hobby geworden ist? Die Chance auf so eine Erfahrung sollten wir unseren Kindern nicht vorenthalten.


Und trotzdem sollten man dem Kind immer auch die Möglichkeit einräumen, von dem Wunsch wieder Abstand zu nehmen oder seine Meinung zu ändern. Denn Kinder werden größer, Interessen ändern sich und manchmal ist es notwendig die Umstände neu zu bewerten und zu einer anderen Entscheidung zu kommen.


Das alles gehört zum Leben dazu und wenn wir unsere Kinder auf ein selbstständiges und eigenverantwortliches leben vorbereiten möchten, dann müssen wir ihnen das nicht nur vorleben, sondern sie auch ermutigen es selbst zu versuchen.

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