• Sabine Puvogel

Protestpinkeln - Wenn Mizi was zu sagen hat

Gastbeitrag von Christina Bremme

Katzentherapeutin und Ernährungsberaterin für Katzen



Sehr oft hören und lesen wir solche Fragen: „Seit einigen Wochen pinkelt mein Kater/meine Katze immer wieder auf die saubere Wäsche/Bettdecke/ Kommode/ in die Ecke....Was passt ihm/ihr nicht? Wogegen wird protestiert?“


Dazu möchte ich ein bisschen Grundsätzliches sagen: Katzen sind keine Menschen. Sie denken und handeln überhaupt nicht wie wir. Sie handeln und empfinden eben kätzisch, so, wie es sich für sie im Laufe ihrer Evolution als vorteilhaft erwiesen hat. Darum ist es gut, wenn wir ab und zu innehalten und uns überlegen: schließe ich jetzt von mir als Mensch auf die Beweggründe der Katze für ihr Verhalten? Dafür ein Beispiel: Wenn eine Katze mit ihrer Beute spielt, dann tut sie das nicht, um die Maus (oder was immer es ist) zu quälen, das bereitet ihr keine Freude. Sie reagiert so, weil sie einen überschiessenden Jagdtrieb hat, denn unsere wohl behüteten Stubentiger können nur selten frei jagen mit allem Drum und Dran: Auflauern, anschleichen, anspringen....das reagieren sie meist nur noch beim Spielen ab und wenn sie denn eine Beute erwischen, an den armen Opfern.


Wenn also eine Katze ihr Verhalten ändert und uns das auffällt oder stört, dann müssen wir versuchen, den Grund dafür heraus zu finden. Und die Ursache ist in den seltensten Fällen eine psychische. Nicht, dass das nicht vorkäme – aber es ist nicht die Regel.


In aller Regel hat die unerwünschte Verhaltensänderung eine körperliche Ursache. Das leuchtet ein, wenn eine Katze krank wird und sich übergibt und Durchfall hat, dann denkt niemand an eine psychische Ursache. Aber wenn sie ihr Geschäft außerhalb der Katzentoilette macht, dann nehmen die Halter so oft einfach an, das geschehe aus Bosheit, Protest oder um sie zu ärgern. Wenn ich dann sage: „Gehe mit deiner Katze zum Arzt!“, dann ernte ich verwunderte Blicke und so manchen Zweifel.


Solche Gedanken wie Protest haben Katzen gar nicht. Ihre Ausscheidungen finden sie nicht ekelhaft, im Gegenteil: Urin und Kot können als Nachrichten eingesetzt werden. Manche sehr selbstbewusste Katzen vergraben ihren Kot nicht und setzen ihn sogar an besonderen, leicht erhöhten Stellen ab oder am Rand ihres Reviers. Mit Urin markieren sie ihr Revier. Das ist also etwas ganz anderes als bei uns.


Tatsächlich benutzen Katzen ihre Ausscheidungen auch, um uns Nachrichten zukommen zu lassen. Sie zeigen damit an, dass etwas nicht stimmt – was wir sonst, ihrer Meinung nach (und wohl auch tatsächlich) nicht bemerken würden. Mein Kater Freddie war mir immer sehr nahe. Dass er krank war, hätte ich nicht bemerkt, wenn er nicht zu einem Trick gegriffen hätte: Er sprang vor meinen Augen in die Badewanne, ging mit hoch erhobenem Schwanz auf und ab und – pinkelte dann in die Wanne. Es war blutig. Natürlich sind wir dann zum Arzt, er hatte Struvitkristalle in der Blase und mit einer Ernährungsumstellung konnte ihm geholfen werden. Ein schlaues Kerlchen! Das war natürlich einfach festzustellen, zeigt aber, dass Katzen es verstehen, ihren Urin als Nachricht einzusetzen.


Ein anderes Beispiel: ein Kater lebt mit seinem Herrchen sehr eng zusammen. Eine Freundin, die die beiden alle paar Wochen besucht hatte und die der Kater sehr liebte, verstarb. Ein paar Wochen danach beginnt der Kater, seinen Kot vor den Augen seines Herrchens überall in der Wohnung abzusetzen. Es stellte sich heraus, dass er sein Herrchen immer fest dabei ansah. Herrchen bat mich um Hilfe. Er äußerte die Vermutung, dass sein Kater um die Freundin trauere und er wohl irgendwie gespürt habe, dass sie verstorben sei. Es war schwer, ihn dazu zu bringen, zunächst einmal zum Tierarzt zu gehen, aber er hat es – Gott sei Dank – getan. Der Kater hatte Struvitsteine, bekam Schmerzmittel und eine Medizin gegen die Kristalle. Solange er Schmerzmittel bekam, war alles wieder gut. Danach machte er weiter, immer sein Herrchen fest im Blick kotete er überall hin in der Wohnung. Er musste wieder zum Arzt und siehe da, nun mussten einige Zähne raus. Wieder gab es Schmerzmittel und eine OP. Danach war es wieder ein paar Tage gut und dann ging es wieder von vorne los. Er hatte inzwischen einen entzündeten Magen (durch das Schmerzmittel, sagte die Ärztin). Es musste also noch der Magen behandelt werden. Seither ist der Kater wieder ganz normal und wieder viel fröhlicher, als er zuletzt -vor dem Arztmarathon- war.


Ähnliches gilt für alle Verhaltensänderungen, die uns unangenehm sind. In einem Fall, bei meinem eigenen Kater, stellte ich fest, dass er nicht mehr schnurrte, wenn ich ihn streichelte. Er hatte einen Magen - Darm-Infekt, stellte die Tierärztin fest. Am Ende zeigte sich, dass es Coronaviren waren, die dann mutierten und er entwickelte FIP. (Keine Angst, heute ist er wieder gesund)


Darum bitte ich alle Katzenhalter, bevor Ihr davon ausgeht, dass Eure Katze wunderlich ist oder euch ärgern will - bei jeder Verhaltensänderung geht bitte zuerst zur Tierärztin Eures Vertrauens. Und lasst Euer Tier gründlich untersuchen, den Urin, die Zähne, das Blut.... . Und wenn ihr bei einer Katzenverhaltensberaterin nachfragt, wundert Euch nicht, sondern tut was sie sagt: Geht zuerst zum Tierarzt!


Ich wünsche Euren Tieren beste Gesundheit!






45 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen